April12
Liebes Tagebuch,
es gibt wirklich herzlose Menschen! Da finde ich doch neulich im Sperrmüll eine Westerngitarre. Ok, ein paar Saiten waren gerissen und hier und da war sie ein wenig angestoßen, aber ansonsten noch top. Meine Freundin war zwar nicht besonders begeistert, dass ich mich eigentlich mal von ein paar Gitarren trennen wollte und nun noch eine neue anschleppe, aber nachdem ich sie sauber gemacht und mit neuen Saiten ausgestattet hatte, war ich schon irgendwie der Ansicht, ein gutes Werk getan zu haben. Oder nicht? Schrammel!!
November18
Liebes Tagebuch,
man, da hat man doch wegen der Abwrackprämie ständig zu hören bekommen, man solle das mit seinem alten Auto doch nutzen, aber nee, ich liebe mein Auto und das hat ja auch nix und so. Ja, toll, und nun? Ok, eine Inspektion ist immer teuer, aber dass demnächst noch der Zahnriemen dran ist, ein Radlager schrott war und ich eben gemerkt habe, dass der Wagen voller Wasser ist und damit jetzt zum dritten Mal in Folge in die Werkstatt darf und mein Erspartes frisst, lässt die Liebe momentan doch etwas nach. Böses Auto!! Naja, und damit wären wir wieder soweit: Herbst ist ein Arschloch! Einfach meinen Wagen vollpissen, wo kommen wir denn da hin?!
May17
Liebes Tagebuch,
ist es nicht ätzend? Jetzt haben die doch echt so ein Baugerüst direkt vor meinen Balkon gestellt, keiner weiß warum und wie lange, aber es nervt! Da kann man ja nicht mal mehr in Wäsche, sondern nur noch im Hausmantel, morgens am Rechner sitzen, bevor schon irgendwelche Typen da vor meinem Fenster rumwerkeln. Ich glaube ja, die machen da was am Dach, das wäre noch ok, die sollen bloß nicht auf die Idee kommen, auf meinen Balkon zu wollen, das Katzennetz mache ich da nicht wieder weg. Wer will fleißige Handwerker seh’n? – Ich nicht! Obergrummel!!
February26
Liebes Tagebuch,
es gibt Momente im Leben, die man vermutlich nie vergisst. Es ist fast sieben Jahre her, dass ich mit einem Freund in Friedrichstadt war und dort bei einer Bootsfahrt meine Gitarre dabei hatte. Ich habe da so vor mich hingeklimpert und stellte plötzlich fest, dass ein paar Leute im Treetboot angehalten hatten und mir zuhörten und sich auch am Ufer ein Pärchen hingesetzt hatte. Als dann noch ein Touristenboot mit einer Riesengruppe Touris an Bord anhielt, der Fahrer mich per Lautsprecher aufforderte etwas zu spielen und ich nach meiner Darbietung von “Westerland” riesigen Applaus bekam, ist mir mal wieder bewusst geworden, was Musik für mich bedeutet und dass es toller sein kann, unerkannt bei den Leuten wegen seiner Musik im Gedächtnis zu bleiben als krampfthaft nach musikalischem Ruhm zu streben.
February9
Liebes Tagebuch,
wie schnell die Zeit vergeht, habe ich in den letzten Tagen gemerkt, als ich angefangen habe Unmengen alter selbst gedrehter Videoaufnahmen auf DVD zu kopieren. Die knapp 15 Jahre alten Aufnahmen kommen einem echt vor wie ein Blick in eine andere Welt. Aber wirklich durchgehalten habe ich nicht viel, entweder sieht man ständig Nöhlbacken, zu denen man heute aus gutem Grund keinen Kontakt mehr hat, dann erscheint einem die Welt von damals irgendwie viel harmonischer und unbeschwerter, was einen auch leicht mal runterziehen kann, und wenn das nicht reicht, schreckt einen ab, dass man selber damals wohl absolut keine Hemmungen vor der Kamera hatte. Aber doch schön, dass man sowas noch hat…
February9
Liebes Tagebuch,
ok, mein heutiger Eintrag geht etwas an die Grenzen des guten Geschmacks, aber hallo! Da sehe ich plötzlich auf meinem Fußboden den Schatten vom Gwendoline-Symbol meiner Lieblingsband “Die Ärzte” und habe es erstmal für eine seltsame Reflexion des Gwendo-Magneten an meiner Pinnwand gehalten. Doch dann stelle ich fest: Da hat doch tatsächlich ein Vogel gegen die Balkontür geschissen und da mal schnell die Umrisse von Gwendoline getroffen. Respekt, oder?
January16
Liebes Tagebuch,
“Barfuss ins Bett!” ist voll die fiese Drohung, angeblich, keine Ahnung, ich habe nie Socken im Bett an. Aber gestern war es irgendwie kalt, da habe ich die warmen blauen Socken, die mir meine Mutter mal gestrickt hat, dann doch nicht ausgezogen. Und heute morgen lagen sie neben dem Kopfkissen! Na, das soll mir mal einer erklären! Da gehe ich doch lieber barfuss ins Bett, bevor meine Socken nachts quer durch mein Bett wandern, oder nicht?!